Ist das Kunst oder kann das weg?

Graffitis – ach, das sind doch illegale Kritzeleien von Menschen, die keine Ahnung von Kunst haben!  Stimmt das wirklich? Ist Graffiti eigentlich Kunst, welche unterschiedlichen Arten von Graffitis gibt es überhaupt und woher stammt diese Ausdrucksform ursprünglich?FullSizeRender

Diesen Fragen wollte die Klasse 10d im Rahmen der „Kultur ist Kult – Woche“ nachgehen und machte sich auf den Weg in die schöne Hansestadt Hamburg, wo sie eine Stadtführung der besonderen Art erwartete. Ausgangspunkt der Tour war – wen verwundert es – das kunterbunte und alternative Schanzenviertel. Unser Tourguide – selbst Sprayer und Kunststudent – zeigte uns unterschiedlichste Graffitis und ließ uns teilhaben an seinem reichen Fachwissen zu Entstehungsgeschichte, Styles, Techniken und ungeschriebenen Gesetzen der  Hamburger Graffitiszene. Wir lernten u.a., dass es illegale Graffitis gibt, aber auch sehr kunstvolle legale Graffitis, die Privatpersonen oder Unternehmen extra in Auftrag geben (auch um ihre Fassaden vor illegalen Sprayern zu schützen).

Wir lernten, dass es Unterschiede gibt zwischen Tags, Graffitis und Streetart, dass es auch plastische Kunst an der Wand gibt, dass vertikale Graffitis ihren Ursprung in Brasilien haben und dass Ziffern IMMER eine Bedeutung haben (meistens die Postleitzahl oder der Stadteil, aus dem der Sprayer kommt).  Die Motive der Sprayer sind so vielfältig wie IMG_1789das Leben selbst: Neben Fantasymotiven findet man Comichelden, klassische Schriftzüge, Architektur, Tiere, …einfach alles.

Es gibt Graffitis, die nur für sich stehen und keine tiefere Bedeutung haben. Allerdings haben wir auch eine Reihe von Graffitis bewundern können – z.B. an der Roten Flora und besonders in der Hafenstraße, die eindeutig politisch motiviert sind und den Betrachter zum Nachdenken und zur Stellungnahme animieren wollen. Neben den künstlerischen Aspekten dieser Kunstform haben wir eine Menge erfahren über die  Probleme, mit denen Menschen  in bestimmten Stadtvierteln täglich zu kämpfen haben, wie z.B. Racial Profiling oder den Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Alles in allem eine echte „Kiez“-Führung (bei typischem Hamburger Schietwetter natürlich).

Auch wenn nicht jedes Graffiti „schön“ ist oder von jedem gleichermaßen als ansprechend empfunden wird – in einem Punkt waren wir uns nach dieser fachkundigen und beeindruckenden Tour einig:

Das ist Kunst. Und: Nein. Es soll nicht weg. Es gehört zu Hamburg wie der Michel oder die Schwäne auf der Alster.

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